vorbild am steuer

Vorbild am Steuer

Wer als Vorbild am Steuer wahrgenommen werden will, sollte sich über die Tragweite dieser Entscheidung bewusst sein. Was ist dabei noch erlaubt und worin liegen die Tabus. Fahr ich noch schnell über die gelbe Ampel oder grabe ich mir dadurch selbst die Kompetenz ab? Werfen wir doch einen gemeinsamen Blick, auf die Bedeutung dieser Entscheidung.

Warum überhaupt?

Häufig liegt der Grund in einem oder mehreren situativen Auslösern:
– Nach einem leichten oder schweren Unfall
– Nach einem beinahe Unfall
– Das eigene Kind wird bald selbst den Führerschein machen
– Kleinkinder an Bord
– Gesundheitliche Einschränkung
– Bedrängnis / Beobachtung

Auch diese Aufzählung ließe sich beliebig weiterführen und beansprucht keine Vollständigkeit. Es soll lediglich verdeutlichen, dass der Wille als Vorbild zu fungieren, nur selten einer persönlichen Überzeugung entspringt. Diese Erkenntnis ist wichtig um zu verstehen, weshalb dieser prinzipiell lobenswerte Grundgedanke, ein Verfallsdatum besitzt.

Gerade bei Bedrängnis und Beobachtung besitzen viele Fahrer einen spontanen Gerechtigkeits- und Regelkonformitätsdrang. Wie schnell verfallen viele Fahrer in eine vorbildliche Haltung, wenn sie von anderen Verkehrsteilnehmern bedrängt werden oder in den optischen Fokus der Ordnungshüter rücken. Diese Regelkonformität tritt so schnell auf, wie sie letztlich wieder verschwindet. Solange der Drängler im „Nacken“ sitzt, wird akribisch darauf geachtet, dass nicht auch nur 1 km/h überschritten wird. Sobald der Streifenwagen abbiegt, verliert plötzlich der rechte Fuß seine Sensibilität.
Zwar häufig auch zeitlich befristet und dennoch weit langlebiger, wirken negative Erfahrung durch beinahe Unglücke oder Unfälle, sowie bevorstehende Ereignisse, wenn beispielsweise das eigene Kind zu fahren beginnt.

Vorbild am Steuer sucht verbissen nach Ausgleich

Entweder liegt das Problem in der Scheinheiligkeit oder der zeitlichen Befristung. Häufig stehen wir uns selbst im Weg, indem wir denken: Ganz oder gar nicht! Diesem selbstauferlegten Zwang zufolge, beschneiden wir uns unserer Intuition und letztlich Motivation. Rückschläge können kein Feedback mehr geben, sondern sind plötzlich ein Indikator des Scheiterns und Versagens.
Muss ein Vorbild am Steuer überhaupt „perfekt“ sein? Ganz klar Nein! Auch als Vorbild für andere, kann und darf man Fehler machen, falsche Entscheidungen treffen und gegen die Regeln verstoßen. Wichtig sind dabei aber zwei Voraussetzungen:

1. Fehler geschehen versehentlich und nicht mutwillig
2. Es wird zu 100% die Verantwortung für alles übernommen, was getan und unterlassen wurde

Uns allen wäre bedeutend besser geholfen, wenn es weniger von diesen extremen Kurzzeitpropheten gäbe und sich dafür mehr Fahrer, für den Weg des bewussten Verkehrsteilnehmers entscheiden würden. Was die Straßen dringend brauchen, ist schlichtweg ein höheres Bewusstsein aller Teilnehmer. Wir lernen und kennen die Regeln, Rechte und Pflichten aber kennen wir unsere Gemeinschaft auf den Straßen. Viele lernten auch die anderen Verkehrsteilnehmer als unkalkulierbares Risiko zu deuten gemäß dem Motto: „Pass bloß auf, denn du weißt nie, wie sich die anderen Fahrer verhalten“.

Verlassen wir also am besten gemeinsam diesen: Ganz oder gar nicht! Anspruch. So schaffen wir einen Weg für ein höheres Bewusstsein, Wachstum und wenn nötig auch Rückzug. Auch jungen Fahranfängern ist dieses Pseudo-Vorbildgetue suspekt. Sie duften schließlich über mindestens fünfzehn Jahre, vom Rücksitz aus den Fahrstil und die Haltung der Eltern studieren. Und wie aus Zauberhand, wechselt der Stinkefinger gegenüber anderen Fahrern, zum Zeigefinger gegenüber dem eigenen Fleisch und Blut. Dieses Unterfangen ist zwecklos wie lächerlich.

Fazit

Bevor wir danach streben, als Vorbild wahrgenommen zu werden, sollten wir das Wort Vorbild mit Leben füllen. Ein Vorbild zeichnet sich nicht durch seine Null-Fehler-Toleranz oder Perfektion aus. Ein Vorbild besitzt die Fähigkeit, sich auf die Fahrt und auf alle anderen aktiven und passiven Verkehrsteilnehmern zu konzentrieren. Auch gibt es hierbei keine Mission die verfolgt wird, sondern eine innere Haltung die konstant ausgebaut werden sollte. Ja, auch Vorbilder können Punkte in Flensburg besitzen und Strafzettel kassieren. Sie verzetteln sich jedoch nicht in Ausreden, Schuldzuweisungen und Wutattacken, sondern stehen dafür ein und zeigen Rückgrat.

Hören wir auf mit der Augenwischerei der Vollkommenheit. Jeder von uns besitzt die Fähigkeiten zum Vorbild. Was es dazu braucht, ist eine klare Entscheidung und eine fortwährende Umsetzung. Nicht jedoch mit verkrampften Starrsinn, sondern mit Herz und Verstand.

Viel Spaß beim erfahren.

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